Mira-Caterina Schmitz

Mira saß im Kokon. Es drückte. War zu eng und eigentlich zerschlissen, aber nach außenhin schillernd und weit. Innen sah sie immergleiche Muster; das faserige Material wand sich schlingend um ihre Haut. Doch sie verrenkte ihren Kopf, entdeckte Schlupflöcher, verwinkelte Nischen und folgte merkwürdigen Einkerbungen. Sie rieb an der rissigen Fassade, bemerkte ihre Konstruktion, stemmte sich fragend dagegen und spürte, wie der Kokon nachgab, wie er rumorte, sich bewegte. Sie tanzte, und während sie tanzend mit den Füßen stampfte, bebte der Kokon: das Fundament ihres Wissens brach stellenweise ein, neue Formationen bildeten und veränderten sich wie die Fragmente eines Kaleidoskops. Das Gewebe bekam Risse, Dellen und Auswüchse durch den ringenden Kör­per im Innern. Es dampfte, zischte, zog sich zusammen, blühte auf, erstarrte und erwachte zeitgleich wieder zum Leben. Das Korsett zerriss und Mira trat hervor: erschöpft, dankbar, frei.

Mach[t]arten

Über die Verflechtung von Intersektionalität und Design

Alles ist miteinander verflochten. Was wir wahrnehmen, was wir senden, wie wir uns verhalten – – es bedingt
sich wechselseitig. Die Masterthesis von Mira Schmitz bietet Einblicke in intersektio­nale Theorien, die sich mit der Überschneidung mehrerer Diskrimi­nierungsformen auseinandersetzen. Die Konzepte werden verständlich für Gestalter:innen aufbereitet und Reflexionsfragen regen zum Hinterfragen internalisierter Denkmuster und Verhaltensweisen in der eigenen Branche und Lehre an. Die Arbeit umfasst plurale Perspektiven aus Soziologie, Medien- und Kulturwissenschaften, Anthropologie, Critical Studies und kritischer Designtheorie. Sie untersucht die Verantwortung von Gestalter*innen und beleuchtet neben Kritik am Status Quo diversitätsgerechte alternative (Aus-)wege. Darüber hinaus werden Aktivist:innen und prägende Denker:innen vorgestellt, die in der herkömmlichen Geschichtsvermittlung ausgeblendet wurden. Das Buch sensibilisiert Gestalter:innen für soziale Ungleichheiten und lässt sie ihre eigene Praxis kritisch reflektieren. Nimm dir gern einen Moment Zeit: Welche Botschaften nimmst du auf, welche sendest du? Wen berücksichtigst du ­­­bei deinen Entwürfen? Wie vielfältig stellst du Lebensrealitäten dar?

Betreuung: Prof. Brian Switzer / Prof. Karin Kaiser